Raucherentwöhnung - Wie abhängig bin ich wirklich?

Februar 2011
Obwohl die Anzahl der Raucher in den Industrieländern im Zuge der Antiraucherkampagnen in den letzten Jahren zurückgegangen ist, wird für das Jahr 2030 weltweit ein Anstieg der durch Rauchen bedingten Todesfälle auf jährlich 8 Mio. vorhergesagt [1]. Dabei wird angenommen, dass 12% der Gefäßerkrankungen, 38% der chronisch-respirativen Erkrankungen und 66% der Krebserkrankungen der Atemwege auf das Konto des Tabakkonsums gehen [2].
Wussten Sie, dass in einer Zigarette mehr als 3800 chemische Verbindungen enthalten sind, die meisten als lungengängige Feinstaubpartikel? Und über 200 davon giftig sind? Von diesen giftigen Stoffen mindestens 40 krebserregend sind? Nikotin ist ein in der Tabakpflanze produziertes Gift (Alkaloid), das die Nerven-Reizübertragung im Gehirn erst anregt und später lähmt, das Herz schneller schlagen lässt und dadurch auf Dauer zu erhöhtem Blutdruck führt. Nikotin gilt als eines der stärksten Gifte überhaupt. Schon die Menge aus zwei Schachteln Zigaretten (50 mg) wirkt sofort tödlich.
Selten waren sich Wissenschaftler so einig, wie bezüglich des Gefahrenpotentials, das vom Zigarettenrauchen für die Gesundheit ausgeht. Und trotzdem scheint die Raucherentwöhnung ein schwieriges Unterfangen für den Einzelnen zu sein.
Hilfe naht jetzt durch die medizinische Forschung. Wie Zwillingsstudien beweisen, sind die Unterschiede im Rauchverhalten der Menschen zu 40 - 60% durch unsere Gene bedingt. [3].
Gleich drei große internationale Studien, publiziert im renommierten Fachmagazin "Nature Genetics" [4-6] an denen mehr als hundert Forscher, eine ganze Reihe von Universitäten, außerdem die isländische Firma Decode Genetics und der Pharmariese GlaxoSmithKline beteiligt waren, untersuchten die genetischen Daten von mehr als 140.000 Menschen. Daraus leiteten die Wissenschaftler eine Reihe von Ergebnissen ab, die das Verständnis für die Nikotinabhängigkeit in ein neues Licht rücken könnten: Die Forscher fanden im Erbgut mehrere variable Genorte, die einen Rückschluss auf das unterschiedliche Rauchverhalten der Probanden zulassen. Die aus biologischer Sicht überzeugendste Assoziation der Nikotinabhängigkeit wurde mit zwei Genvarianten in Strukturkomponenten des Nikotinrezeptorproteins gefunden. Eine der beiden Varianten im CHRNA5-Gen wird immerhin bei 38% der europäischen Bevölkerung gefunden.
Bestimmte Genvarianten können also tatsächlich zu verstärktem Tabakkonsum führen. Die Betroffenen rauchten täglich im Schnitt nicht nur mehr Zigaretten als Vergleichspersonen, sondern haben auch ein stark erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.
Insgesamt zeigen die Studien, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem genetischen Bauplan und dem erfolglosen Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören bzw. einer hohen Rückfallrate [7,8] besteht.
"Die Entdeckungen verbessern unsere Möglichkeit, gefährdete Menschen zu erkennen und ihnen überzeugende Argumente zu liefern, mit dem Rauchen aufzuhören", sagte Professor Höppner, Geschäftsführer der Bioglobe GmbH.
Die Wissenschaftler des molekulargenetischen Labors der Bioglobe GmbH haben das Thema „Genetik des Rauchens" aufgegriffen und einen genetischen Dreistufentest entwickelt, der Ihre genetischen Parameter bezüglich Nikotinabhängigkeit, Lungenkrebsrisiko und COPD-Risiko (Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung) ermittelt. Durch Kenntnis Ihrer persönlichen genetischen Parameter können Sie mit Ihrem Arzt festlegen, welche die optimale Strategie für Sie bei der Raucherentwöhnung ist und welche individuellen Vorsorgemaßnahmen Sie gezielt für Ihre Gesundheit ergreifen sollten.
Den Anforderungsschein finden Sie im Downloadbereich. Bitte denken Sie auch an die Einwilligungserklärung.
Literatur
[1] WHO (2009) Tobacco key facts. World Health Organization, Genf
[2] WHO (2002) The World Health Report 2002. World Health Organization, Genf
[3] Amos CI, Wu X, Broderick P et al (2008) Nat Genet 40:616-622
[4] Tobacco and Genetics Consortium. Nat Genet. 2010;42:441-447
[5] Liu JZ, Tozzi F, Waterworth DM, et al. Nat Genet. 2010;42:436-440
[6] Thorgeirsson TE, Gudbjartsson DF, Surakka I, et al. Nat Genet. 2010;42:448-453.
[7] Baker TB, Weiss RB, Bolt D et al. Nicotine Tob Res 2009;11:785-796
[8] Freathy RM, Ring SM, Shields B et al. Hum Mol Genet 2009;18:2922-2927